Chris, you did it!!!

Da es sich als Triathlet offensichtlich gehört, Renn- und Trainingsberichte auf Englisch zu präsentieren, wollte ich dies mit meinem Wettkampfbericht von Hawaii eigentlich auch so machen.

But because mein English is not so gut, i don‘t do you that on.

Vielleicht kommt ihr ein anderes Mal in den Genuss meiner Englischfähigkeiten, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und hier auf Hawaii kann ich schließlich noch ein bisschen üben.

Jetzt also hier kurz und knackig auf Deutsch alles zusammengefasst, was vor dem Startschuss in Kailua-Kona abging. Davor möchte ich aber noch ein großes Lob an IRONMAN aussprechen, denn die Organisation dieses Events war herausragend.

Wahnsinn, wie stressfrei und professionell die 2500 Athleten am Kailua-Kona-Pier auf den härtesten Triathlon der Welt vorbereitet wurden. Schon beim Einchecken in die Wechselzone fühlte man sich als Altersklassenathlet wie ein Vollprofi. Man wurde von allen Seiten bejubelt und bestaunt, obwohl man bis dato noch nichts geleistet hatte. Die Atmosphäre in der Rennwoche war einfach genial. Die Insel gehörte den Triathleten. An dieser Stelle alles zu erzählen, würde den Rahmen sprengen, deshalb zurück zum frühen Morgen des Renntages:

03:30 Uhr

Aufstehen

04:00 Uhr

Frühstück

04:30 Uhr

Letzte Vorbereitungen für das große Rennen

05:00 Uhr

Loslaufen in Richtung Start

05:30 Uhr

Bodymarking (Henna-Tattoos für Eisenmänner, wenn sich das nicht beißt, weiß ich auch nicht..)

05:45 Uhr

Wiegen (warum, weiß ich bis heute nicht)

05:46 Uhr

What the fuck, ich wiege über 150?! So viele Spaghetti habe ich doch gestern gar nicht gefuttert.

05:46:30 Uhr

Erleichterung: die Gewichtsangaben sind in Pfund, nicht in Kilogramm

06:00 Uhr

Letzte Vorbereitungen in der Wechselzone

06:30 Uhr

Anstehen fürs „Angstrolli“

07:00 Uhr

Ab gehts in den warmen Pazifik zum Start

So, und jetzt zum Rennen:

Der Startschuss zum Schwimmen fiel um 07:05 Uhr. Anders als bei meinen bisherigen Ironman-Rennen gab es hier in Hawaii keinen sogenannten Rolling-Start, sondern einen klassischen Massenstart aus dem Wasser heraus.

Ich fand mich in einer der vordersten Reihen des etwa 100m breiten und etwa 10 Reihen tiefen Starterfelds wieder.

Und dann ging sie los: die größte Wasserprügelei, die ich je erlebt habe.

Schon nach 200m hatte ich meinen Salzbedarf für den heutigen Tag intus und gefühlt mehr Schläge ein- aber auch ausgeteilt als Klitschko bei einem

Schwergewichtskampf.

Im Getümmel schwimmend und im Feld gefangen verging die Zeit wie im Flug und ich erreichte im Kampf- und Schlägermodus nach 1,9 km den Wendepunkt der Schwimmstrecke.

Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigte, dass ich mit 26 Minuten saugut und schnell unterwegs war. An langsamer schwimmen war also nicht zu denken, zumal von hinten die Schlägermeute zu kommen drohte. Schneller ging jedoch auch nicht, da sich immer noch zu viele Schwimmer auf engstem Raum um mich herum tummelten.

Nach dem Wendepunkt kehrte dann etwas Ruhe ein und das Feld zog sich allmählich auseinander. Zwar konnte man nun einigermaßen ungestört schwimmen, dafür kam mit der südpazifischen Strömung ein neuer Gegner hinzu. Positiver Effekt: Aufgrund des langsameren Tempos blieb nun etwas Zeit, die im kristallklaren

Wasser schwimmenden Fische zu sehen und zu bestaunen.

Nach 58 Minuten und ein paar zerquetschten erreichte ich etwas langsamer als erwartet die berühmte Ausstiegsstreppe mit dem schwarzen Teppich zur Wechselzone.

Nun ging es unter die Dusche und ab aufs Rad, alles war gut und ich lag auf Kurs.

Auf dem Rad merkte ich schnell, dass ich heute morgen nicht meine besten Radbeine mit aus dem Bett genommen hatte. Naja, was nicht ist, kann ja noch werden, dachte ich mir, und so ging ich die Radstrecke zunächst etwas langsamer als gewohnt an.

Aufgrund der vielen Athleten um mich herum gestaltete sich jedoch auch das Radfahren im eigenen Tempo schwierig. Immer wieder stieß ich auf größere Radgruppen, weshalb ich ständig vor der Entscheidung stand, Vollgas zu geben und vor zu fahren oder mich überholen zu lassen und raus zu nehmen, um bloß keine Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens zu kassieren.

Aufgrund meiner Beine entschied ich mich für letzteres und zunächst einmal abzuwarten.

Im Nachhinein keine schlechte Entscheidung, da ich den welligen Streckenkurs im Voraus tatsächlich etwas unterschätzt hatte.

Ein ständiges Auf und Ab mit Steigungen von 1-3% und eine Wärme, die ihres gleichen sucht, ließen meine Kräfte nach und nach schwinden. Die hohen Temperaturen zeigten mir allmählich, warum der IRONMAN Hawaii als härtester Triathlon der Welt gilt.

An jeder Verpflegungsstelle griff ich mir eine Flasche eiskaltes Wasser, die ich ausschließlich zum Kühlen des Körpers nutzte. Dies zeigte großen Effekt, denn nach dem Kühlen hatte ich auf einmal wieder richtig Dampf und gefühlt 20 PS mehr in den Beinen! War mein Motor etwa überhitzt?

(Bestimmt hatte der Fernsehkommentator recht, dass es für hawaiianische Verhältnisse heute eher kühl und windstill war. Aber das ist leicht gesagt, wenn man im klimatisierten Studio sitzt und das Klima nicht am eigenen Leib spürt. Hier sei gesagt, dass es auf Hawaii immer verdammt heiß und auf dem Highway auch immer windig ist)

Mein nach der Verpflegungsstation komplett durchnässter und angenehm kühler Highend-Wettkampfanzug war jedenfalls bereits nach zwei Kilometern wieder komplett trocken und so wiederholte sich dieses Prozedere in regelmäßigen Abständen….kühlen, schnell trocknen, kühlen, schnell trocknen…

Beim Wendepunkt im aus dem Fernsehen bekannten Örtchen Hawi, merkte ich dann meinen unteren Rücken. Er fing an, weh zu tun und mich zu ärgern. Hier machten sich die vielen zwar nicht steilen, aber langgezogenen Anstiege in der für den Rücken anspruchsvollen Aero-Postion bemerkbar.

Um meinem Rücken etwas Erholung zu gönnen, fuhr ich an den Anstiegen nun nur noch Oberlenker und auch auf flachen Teilstücken und Abfahrten entschied ich mich, lieber mehr Watt zu treten, als aerodynamisch durch die Lava zu düsen.

Meine Probleme besserten sich jedoch nur geringfügig und so war ich heute leider nicht der Überholer, sondern der Eingeholte. Kilometer für Kilometer musste ich Konkurrenten ziehen lassen und mich zügeln, mich nicht komplett abzuschießen.

Wie auch beim Schwimmen konnte ich auf dem Rad heute zwar nicht meine absolute Topleistung zeigen, trotzdem konnte sich mein 37,5-er Schnitt den Umständen entsprechend sehen lassen.

Ich konnte zufrieden sein, ich war immer noch gut dabei.

Beim Laufen gingen die ersten 10 km noch ganz gut. Mein Rücken tat zwar weh, besserte sich aber von Kilometer zu Kilometer und meine Beine schienen das Radfahren super verkraftet zu haben.

Doch dann kam mein persönlicher Endgegner namens Palani Road: ein knackiger Anstieg von etwa 200m, der mir innerhalb weniger Sekunden sämtliche Lichter ausknipste. Es schoss mir erneut in den Rücken und ich musste bereits hier eine erste Geh- und Dehnpause einlegen.

Mein mittlerweile jedermann bekanntes kleines Äffchen im Kopf meldete sich mit lautem Getöse zu Wort und machte ordentlich Radau.

Auf dem endlos wirkenden Queen-K’-Highway zum Enery Lab holte sich mein Äffchen dann auch noch Verstärkung vom kleinen Mann mit dem großen Hammer.

Dieser Übermacht hatte ich dann nicht mehr viel entgegenzusetzen. Ich hatte mein Ziel, mir ordentlich einzuschenken, erreicht, leider aber etwa 20 km zu früh. Durchkommen und finishen war nun das Ziel und so kämpfte ich mich mit Geh- und Dehnpausen im eigentlich gemütlichen, aber heute extrem harten 06:00 min/km Tempo in 09:57:33h ins Ziel. Das war er also, der IRONMAN Hawaii, der härteste Triathlon der Welt!

Auch wenn der Wettkampf nicht ganz nach meinen Vorstellungen lief, bin ich super happy, in Hawaii gefinished zu haben.

Hawaii hat seine eigenen Gesetze und jeder, der hier an der Startlinie steht und dann auch noch finished, weiß, was das für eine Leistung ist. Zeit und Platzierung sind hier zweitrangig, auch wenn man es als Athlet vermutlich erst nach einer harten Gerichtsverhandlung mit sich selbst akzeptieren kann.

Bestimmt habe ich bei der Vorbereitung auch noch etwas Luft nach oben: längere Phase der Akklimatisierung oder eine kürzere Vorbereitung mit Qualifikation im Vorjahr wären durchaus eine Überlegung wert.

Aus diesen Erfahrungen werde ich zukünftig nur profitieren können.

Jetzt heißt es jedoch erstmal pausieren, um für die nächste Saison wieder Kraft zu schöpfen.

Was nächstes Jahr auf meinem Wettkampfkalender steht weis ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Ich genieße nun erstmal den restlichen Urlaub und, wer weiß, vielleicht komme ich in ein paar Jahren für eine Revanche mit der Insel wieder.

Auf das Autogramm von Frodo werde ich dann aber vermutlich verzichten. Man munkelt nämlich, dass er mir mit dem Autogramm auch seine Rückenschmerzen und seinen Rennverlauf vom Vorjahr übertragen hat.

An dieser Stelle noch ein paar Dankesworte:

Einen großen Dank an meine Supporter vor Ort und alle, die in der Heimat fleißig mitgefiebert und Daumen gedrückt haben.

Danke an alle privaten Taschengeld -Geber und meine langjährigen Sponsoren, ohne die diese Reise nicht in diesem Umfang möglich gewesen wäre.

Meinem Trainer Ortwin danke ich für die langfristige und nicht immer einfache Vorbereitung mit einem zum Teil launischen und ungeduldigen Athleten.

Ein Dank geht an die Firma Skinfit, vor allem natürlich an Bigboss Nicole, für das Besorgen der entsprechenden Wettkampfbekleidung und des Reiseequipments.

Ein weiteres Dankeschön geht an das TV Riegel – Tri-Team2010 (Schorsch, ich hoffe ich habe es richtig geschrieben), das mir seit dem Beginn meiner Triathlonkarriere zur Seite steht.

Bildergeschichte Teil 2

Tag 4

07:00 Uhr

Start von Marie und Mama beim Underpants Run

09:00 Uhr

Frühstück machen

11:00 Uhr

Besuch auf dem Markt mit anschließendem Cocktail für die Supporter

13:00 Uhr

Wellenreiten am „White Sands Beach“

16:00 Uhr

Kurze Radeinheit auf den ersten Kilometern der Wettkampfstrecke

18:00 Uhr

Willkommensbankett

Tag 5

07:00 Uhr

Kurze Schwimmeinheit zum bekannten Kaffeeboot

09:00 Uhr

Wettkampfsachen richten

11:00 Uhr

Besuch bei Jan Frodenos Autogrammstunde (Ja, ich habe ihm natürlich auch eins gegeben 😉 :-D)

13:00 Uhr

Füße hoch, ausruhen und nebenbei noch ein paar neue Produkte angeschaut und getestet.

15:30 Uhr

Letzte kurze Laufeinheit vor dem Wettkampf

17:00 Uhr

Check in Wechselzone

19:00 Uhr

Speicher auffüllen für das morgige Rennen

20:00 Uhr

Ich weis nicht, ob ich mir einfach nur den Arsch ablachen oder vor Freude heulen soll.

Danke für dieses geile Video, ihr seid einfach der Hammer!

Dieses Video ist für mich die größte Motivation für das morgige Rennen.

Ich werde alles geben und mir dermaßen einen vor den Latz knallen, dass alles zu spät ist 😀

In diesem Sinne:

Let’s geht ready to Rumble

Das Rennen könnt ihr ab 24:00 Uhr im TV auf dem ZDF oder ab 18:25 Uhr im ZDF Livestream / Ironman Now verfolgen.

http://www.facebook.com/IRONMANnow

https://www.zdf.de/sport/zdf-sportextra/zdf-sportextra—triathlon-ironman-wm-104.html

Meine Startnummer ist 2283

Aber jetzt erstmal schlafen, schließlich sind wir hier in Hawaii 12h hintendran.

Willkommen auf Hawaii

Getreu dem Motto: „Bilder sagen mehr als tausende Worte!“ hier eine kleine Bildergalerie der ersten drei Tage auf Big Island.

Tag 1:

04:30 Uhr

Zugfahrt von Freiburg in Richting Frankfurt

07:00 Uhr

Ankunft am Flughafen

08:00 Uhr

Papa nahm sein Handgepäck auf

10:30 Uhr

Abflug in Richtung San Francisco mit dem Airbus A380

11:00 Uhr

11,5h Flugdauer

13:00 Uhr (nach Wechsel der Zeitzone)

Müdigkeit macht sich breit

17:00 Uhr

Weiter geht’s Richtung Kona

20:15 Uhr

Eintreffen am Flughafen Kona

22:00 Uhr

Todmüde ab ins Bett. Bilder hiervon erspare ich euch

Tag 2:

08:00 Uhr

Frühstück im bekannten „Lava Java“, dem bekanntesten Triathlontreff am Alii Dr

10:00 Uhr

Gegend erkunden

12:00 Uhr

Rad zusammenbauen

14:00 Uhr

Relax Modus und ausruhen

16:00 Uhr

Einkauf für etwa drei Tage für 328 Dollar!!!

Tag 3:

06:45 Uhr

Lockeres Schwimmen auf der Wettkampfstrecke

10:00 Uhr

Registrierung und Startunterlagen abholen

12:00 Uhr

Baden und Wellenreiten am bekannten „Kua Bay“

15:00 Uhr

Erneutes Einkaufen von zwei Broten, einer Ananas und 6 Tomaten für 28 Dollar!!!

18:00 Uhr

Kurzer gemütlicher Lauf auf dem Alii Dr

Fortsetzung folgt….

Hawaii Quali geschafft, Teil 2!

Wettkampf

Für die ersten 6 km nahm ich mir vor, zügig aber nicht Anschlag loszulaufen. Mein Vorhaben konnte ich ganz gut umsetzen und so kam ich bereits nach knapp über 23 Minuten mit aufgewärmtem Motor und einer leicht zuckenden Achillessehne in der Wechselzone an, aber das würde heute wohl mein kleinstes Problem werden.

Laufschuhe aus, Helm auf, Rad geschnappt und los ging die rasante Fahrt. Erst ging es durch die „längste Wechselzone der Welt“, papperlapapp, das ging doch ruckzuck. Die ersten Kilometer raus aus Hamburg waren technisch etwas anspruchsvoller, nach ca. zehn Kilometern ging es dann aber auf den flachen und kurvenarmen Teil der Strecke. Die Beine waren top und ich hatte große Lust, es heute knallen zu lassen.

Trotzdem galt es, die Pferde möglichst lange im Stall zu halten und kontrolliert zu fahren. Wer mich kennt, weiß, wie schwer mir das fällt.

Mit reichlich Verpflegung an Bord pfiff ich an den Verpflegungsstellen vorbei, ohne etwas aufzunehmen. Belohnung dafür war am Ende von Runde 1 ein 41km/h Schnitt mit einer Durchschnittsleistung von 170 Watt. Auch ich fragte mich: Watt? Das konnte doch nicht wahr sein. Das war doch viel zu wenig?! Da hat wohl einer das Kalibrieren vergessen..

Zu Beginn der zweiten Radrunde war dann die Luft plötzlich raus, oder anders gesagt: sie war da, in Form von ordentlich Gegenwind. Den Schnitt zu halten wäre mein Todesurteil gewesen, sodass ich mich dazu entschied, von Gruppe zu Gruppe nach vorne zu fahren. Die Verpflegungsstellen wurden nun nicht mehr ausgelassen, sondern ich griff, was ich greifen konnte. Nachdem ich die ersten Krampfansätze verspürte, entschied ich mich, nochmal etwas rauszunehmen und mich auf den letzten Radkilometern bereits fürs Laufen einzustimmen. Denn jeder weiß: mit Krampf läuft es sich ganz schön schlecht. Mein Papperlapapp von zuvor nehme ich an dieser Stelle gerne zurück, denn jetzt musste ich schon auf dem Weg durch die längste Wechselzone der Welt bis zum Wechselbeutel kämpfen.

Gut angeknockt zog ich in aller Ruhe Socken und Laufschuhe an. Ich hatte ja Zeit, denn die Freude auf die kommenden 42,195km hielt sich in Grenzen. Die ersten 500m waren eine Qual, weshalb ich sofort Tempo rausnahm. Meine Uhr zeigte 3:30min/km… nun wusste ich auch, wieso es mir schlecht ging. Sofort verringerte ich mein Tempo auf mein im Voraus geplantes Wettkampftempo von 4:30min/km. Vom ersten Schock erholt und mit dem richtigen Tempo kam ich dann nach vier Kilometern beim ersten Fanlager an. Der nächste Schock folgte sogleich: 21 Minuten auf Platz 1 und 14 Minuten auf den nötigen Hawaii-Platz 2 der Altersklasse. Konnte das wirklich sein? Mädels und Rechnen, dachte ich mir. Verabschiedet wurde ich auf die nächsten Kilometer mit dem Ruf „Gib Gas, du musst Einiges aufholen!“. Sofort war mir klar, dass ich mich beim Erhöhen des Lauftempos überschätzen würde und deshalb entschied ich mich, bei meinem Lauftempo zu bleiben. Lass die Mädels mal labern! Von wegen schneller laufen. Bei kühler Cola und Häppchen im Schatten lässt sich das leicht sagen…

Runde für Runde kam ich an den zahlreichen motivierenden Fanstationen vorbei. Für jede der vier zu absolvierenden Laufrunden erhielt man ein Armbändchen, wobei mit der Anzahl der Bändchen die Laune stetig sowohl ab- als auch zunahm (je nachdem, ob man die Nähe zum Ziel oder die noch zu bewältigenden Kilometer betrachtete). Stetiger Begleiter beim Laufen waren meine kleinen Trinkfläschchen, die ich vor dem Wettkampf extra für den Marathon vorbereitet hatte. Mein explosives Gemisch in den Fläschchen half mir, Runde für Runde weiterzukämpfen. Der innere Schweinehund, der bei mir ein „Äffchen mit schellenden Becken“ (siehe Bild unten) ist, meldete sich nun auch mit lautem Geschelle. Immer wieder versuchte ich, dem Äffchen seine Becken zu klauen, jedoch vergebens. Es gab kein Entkommen. Nichtsdestotrotz gelang es mir, das Tempo zu halten und es nach einer klaren, unheimlich „netten“ und direkten Ansage von Lauftrainer Schorsch auf den letzten Kilometern sogar noch deutlich zu erhöhen. Mit einem Feuerwerk im Kopf schnappte ich mir mein letztes Bändchen und machte mich auf in Richtung Ziellinie. Als vierter meiner Altersklasse und 24. Gesamt von 1977 Startern erreichte ich mit einem Urschrei-ähnlichen Ausruf das Ziel und durfte den legendären Satz „You are an Ironman“ hören. Nach 8:08 Stunden des Erwartens durfte ich nun endlich hinter die Ziellinie liegen und verschnaufen. Noch nie war Steinboden derart bequem wie in diesem Moment! Mit dem Hinliegen legte das Äffchen nochmals eine Zugabe ein und meine Beine füllten sich langsam aber sicher mit Beton. Bereits jetzt war mir klar, dass das Laufen in den nächsten Tagen sehr hart und die Treppe zu unserer Ferienwohnung eine unüberwindbare Hürde für mich darstellen würde. Unter der Dusche berichteten meine AK-Kollegen und einige Profis bereits von anstehenden Langdistanzen. Hatten die etwa kein Äffchen im Kopf?! Oder sind die wirklich so bekloppt?!

Ich verschwendete keine Zeit und wurde vom Athleten zum Fan für Matze, der noch auf der Laufstrecke sein Unwesen trieb. Außerdem wollte ich auch Oliver Schotte anfeuern, der mit seiner Freundin Nicole ebenfalls aus der Heimat angereist war, um den Ironman zu bewältigen und der mich seit geraumer Zeit als Radsponsor unterstützt. Für mich kaum vorstellbar, aber Schotti absolvierte an diesem Wochenende seinen 39. Ironman.

Schlußendlich konnten sich dann auch Matze und Schotti wohlverdient über die Begrüßung als Ironman freuen und wurden direkt von ihren Freundinnen umsorgt. Nach einem großen Steak, einem Bier und einer Wahnsinns-Finisher-Party endete der längste Tag des Jahres. Zwar hatte ich mit Platz 4 in der AK die direkte Hawaii-Qualifikation zunächst verpasst, meiner Laune tat dies aber keinerlei Abbruch, weil ich mit meiner Leistung absolut zufrieden war und dem Äffchen eine gute Schlacht geboten hatte. Achja, und wer sich fragt, wie ich die Treppe hinauf zum Bett kam, dem kann ich nur sagen: macht nicht denselben Fehler wie wir und bucht beim Ironman eine Wohnung im 3. OG!

Der Tag danach

Heute war der Tag der Siegerehrung und der Slot-Vergabe für Hawaii. Da es nicht selten vorkommt, dass manche Athleten auf ihren Startplatz in Hawaii verzichten, entschieden wir uns, diesem Event beizuwohnen und das Frühstücksbuffet bei der Slotvergabe ordentlich zu plündern. Über die Treppe und den Muskelkater reden wir ein anderes Mal wieder.

Bei der Siegerehrung meiner Altersklasse erwarteten mich direkt zwei positive und unerwartete Überraschungen. Erstens hatte ich bei der Deutschen Meisterschaft über die Langdistanz den dritten Platz erreicht. Zweitens konnte ich feststellen, dass einer der vor mir platzierten Athleten keine Lust auf Frühstück und Ehrung hatte. Meine Chance auf einen Slot für Hawaii stieg dadurch ungemein, weil dadurch nur noch ein Athlet vor mir auf seinen Startplatz verzichten musste, um mir meinen langen Traum zu erfüllen.

Es kam wie es kommen musste: in einem Krimi der Gefühle verzichtete Platz 1, Platz 2 nahm an und der nicht anwesende Frühstücksmuffel bescherte mir den Startplatz für Hawaii. Die Freude war riesig und nach dem Kauf meiner teuersten Basecap meines Lebens  für 1026  Dollar, Startplatz auf Hawaii inbegriffen, ging die Party erst richtig los.

Über den Tag nun weiter zu berichten würde den Rahmen sprengen. Man munkelt jedoch, dass einige Ehemänner an diesem Abend von ihren Frauen die rote Karte kassierten.

Zurück in der Heimat wurden wir von unseren Familien, Freunden und Vereinskollegen überraschenderweise mit einer kleinen Party empfangen. Mit dabei auch Ironman Christian, welcher zeitgleich mit uns in Zürich an den Start ging.

Bei kühlen Getränken wurde vom Wettkampf berichtet, gefachsimpelt und der Erfolg in vollen Zügen genossen.

Ab morgen steige ich wieder in den Trainingsalltag ein, denn es kribbelt schon wieder, auch wenn die Power noch etwas auf sich warten lässt.

Kona, ich komme!

Hawaii Quali geschafft!

Da ist das Ding: beim Ironman Hamburg am vergangenen Sonntag konnte ich mir den heißbegehrten Slot für die legendäre Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii sichern. Aber alles der Reihe nach. Heute schaffe ich es nach einigen feierwütigen und langen Tagen endlich, Euch von unserem Aufenthalt in Hamburg zu berichten.

Tag 1: Donnerstag

Los ging es am Donnerstagnachmittag mit der Reise nach Hamburg. Gegen 14:30 Uhr brach ich zusammen mit Premiumfan und Freundin Marie von Zuhause auf. Bereits nach 10 km erfolgte dann der erste geplante Boxenstopp: in Riegel gabelten wir Teamkollegen und Leidensgenossen Matze, der ebenfalls für den Ironman gemeldet war, und dessen Freundin Kathi auf.

Alle Mann an Bord, und los ging der heiße Ritt in Richtung Hansestadt.

Neben reichlich RedBull und kleinen Snacks gab es im selbsternannten Partybus typische selbsterfundene Autospielchen zum Zeitvertreib. Zusammen mit Partyhits direkt vom Ballermann und Klassikern der Kindheit wurde die Autofahrt zu einer Riesengaudi und die neun Stunden bis nach Hamburg verging wie im Flug.

„Gummibärn, hüpfen hier und dort und überall, sie sind für dich da, wenn du sie brauchst, das sind die Gummibärn…“

„Bei Goofy und Max, ist jeder Tag n Klacks. Zwei Freunde, ist klar, sie sind das größte…“

„Bom Bom Bom bo bom, bom bo bom bom Baluuuuu…“

Nach Mitternacht kamen wir schließlich etwas gehörgeschädigt aber zufrieden (dank BurgerKing auch satt!) in unserer modernen Altbauwohnung mitten in Hamburg-City an. Einzige Hürde stellte lediglich die steile Treppe mit über 100 Stufen bis zur Wohnung im dritten Stock dar. Sie trieb Matze und mir dicke Schweißperlen ins Gesicht und wir fragten uns: Wie, zur Hölle, soll das nur am Sonntagabend werden, wenn zwei muskulär angesäuerte Eisenmänner den dritten Stock erreichen müssen? Nach einem kühlen Feierabendbier, das uns unser Vermieter (mit gefühlten 2,50m Körpergröße auch liebevoll Schrank genannt) freundlicherweise als Willkommensgeschenk bereitstellte, waren diese Zweifel wieder in Vergessenheit geraten und wir gingen ins Bett.

Tag 2: Freitag

Am Freitag bekamen wir dann Verstärkung aus der Heimat. Matzes bester Freund Schnegg kam zusammen mit seiner zukünftigen Frau (Schneggle) per Flieger zu uns nach Hamburg, um uns am Sonntag tatkräftig zu unterstützen.

Neben Familie Schnegg zählten auch Lauftrainer Schorsch mit Frau Barbara, Schwägerin in spe Theresa, Familie Hoch und seit Frankfurt 2017 Ironman-Fan Jessica mit Freund Simon zu unserer treuen Supporter-Crew.

Den Freitag verbrachten wir mit Sightseeing, Shopping, Hafenrundfahrt, Wettkampfstätte begutachten und Blödsinn reden, z. B. Was speichert man denn in dieser Speicherstadt?!

Nachdem wir bereits große Bedenken bzgl. des Schwimmens mit Neoprenanzug hatten, wurden die letzten Fünkchen Hoffnung im Keim erstickt. Nicht nur kein Neo, sondern überhaupt kein Schwimmen: aufgrund gesundheitsgefährdender Blaualgen in der Alster wurde das Schwimmen durch einen 6km-Lauf durch die Hamburger City ersetzt. Geschockt schwirrten tausende Gedanken in unseren Köpfen herum:  Wie sollte ich das bloß angehen? Insgesamt nun fast 50 km laufen schaffe ich nie! usw. Um den Kopf frei zu bekommen, ging es um 20:00 Uhr ins Musical Der König der Löwen und was soll ich sagen: Hakuna Matata, es heißt die Sorgen bleiben für immer fern.

Tag 3: Samstag

Am Samstag wurde es dann langsam ernst: frühstücken, Wettkampfsachen packen, kurze Vorbelastung und ab zum Fahrrad Check-In. Was sich sehr stressig anhört, konnte uns ganz und gar nicht stressen, sodass auch heute wieder Zeit für unsere tägliche(n) Stunde(n) Tour de France war.

Beim Fahrrad-Check-In durften wir dann doch noch Hamburger Wasser schlucken. Plötzlich fing es an, in Strömen zu regnen und der Wind pfiff durch die gefühlt nicht-enden-wollende Wechselzone, die by the way tatsächlich die längste Wechselzone der Welt war. Immer wieder hörte man, wie Zeitfahrmaschinen jenseits der 5000 € aufgrund ihrer Scheibenräder durch den starken Wind vom Wechselständer geblasen wurden. Im strömenden Regen und nur mit kurzer Hose und einem Trägershirt bekleidet rannte auch ich noch mal zu meinem Schätzchen, um es dementsprechend zu befestigen. Um keine Erkältung zu riskieren und möglichst schnell wieder trockene Kleider zu bekommen, ging es für mich batschnass auf eine schnelle Shoppingtour. Der spontane und ursprünglich kurze Einkauf eines trockenen und warmen Sweatshirts entwickelte sich aufgrund meiner weiblichen Shoppingbegleiter zu Hamburgs next Shopping-King-Tour. Am Ende hatte ich einen Pullover, ein Hemd und vier T-Shirts im Gepäck. Zurück in unserer Unterkunft wurden ordentlich Nudeln gespachtelt und nach einem Prerace-Bier ging es dann auch schon ins Bett, um am nächsten Morgen fit zu sein.

Tag 4: Raceday

Nun war es endlich soweit. Der 29.07. war nach 34 Wochen Vorbereitung plötzlich und unerwartet da und wir mussten ihn bereits um 04:00 Uhr mit einem ekligen Weckerton begrüßen.

Aufstehen, Frühstücken, Zähne putzen, 500 Gels in Trinkflaschen abfüllen und ab ging die Luzi. Die lange Treppe hinunter auf die Straße war einfach zu bewältigen und man spürte bereits den Dampf unter den Sohlen.

In der Wechselzone herrschte bereits reger Betrieb. Jedermann präparierte sein Rad und ging noch einmal für kleine Ironmen.

Ruck zuck war die Zeit vorbei und Matze und Ich fanden uns dummerweise am Ende des prall gefüllten Startblocks wieder. Wir würden den Start mehrerer tausend Starter abwarten müssen, bevor es für uns auf den langen Weg geht. Doch Jammern half nichts, drängeln war nicht mehr möglich und so starteten wir erst zwanzig Minuten nach dem Startschuß zu unserm längsten Tag des Jahres, was dank Rolling Start nicht groß von Nachteil ist.

Zum Wettkampf:

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