Chris, you did it!!!

Da es sich als Triathlet offensichtlich gehört, Renn- und Trainingsberichte auf Englisch zu präsentieren, wollte ich dies mit meinem Wettkampfbericht von Hawaii eigentlich auch so machen.

But because mein English is not so gut, i don‘t do you that on.

Vielleicht kommt ihr ein anderes Mal in den Genuss meiner Englischfähigkeiten, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und hier auf Hawaii kann ich schließlich noch ein bisschen üben.

Jetzt also hier kurz und knackig auf Deutsch alles zusammengefasst, was vor dem Startschuss in Kailua-Kona abging. Davor möchte ich aber noch ein großes Lob an IRONMAN aussprechen, denn die Organisation dieses Events war herausragend.

Wahnsinn, wie stressfrei und professionell die 2500 Athleten am Kailua-Kona-Pier auf den härtesten Triathlon der Welt vorbereitet wurden. Schon beim Einchecken in die Wechselzone fühlte man sich als Altersklassenathlet wie ein Vollprofi. Man wurde von allen Seiten bejubelt und bestaunt, obwohl man bis dato noch nichts geleistet hatte. Die Atmosphäre in der Rennwoche war einfach genial. Die Insel gehörte den Triathleten. An dieser Stelle alles zu erzählen, würde den Rahmen sprengen, deshalb zurück zum frühen Morgen des Renntages:

03:30 Uhr

Aufstehen

04:00 Uhr

Frühstück

04:30 Uhr

Letzte Vorbereitungen für das große Rennen

05:00 Uhr

Loslaufen in Richtung Start

05:30 Uhr

Bodymarking (Henna-Tattoos für Eisenmänner, wenn sich das nicht beißt, weiß ich auch nicht..)

05:45 Uhr

Wiegen (warum, weiß ich bis heute nicht)

05:46 Uhr

What the fuck, ich wiege über 150?! So viele Spaghetti habe ich doch gestern gar nicht gefuttert.

05:46:30 Uhr

Erleichterung: die Gewichtsangaben sind in Pfund, nicht in Kilogramm

06:00 Uhr

Letzte Vorbereitungen in der Wechselzone

06:30 Uhr

Anstehen fürs „Angstrolli“

07:00 Uhr

Ab gehts in den warmen Pazifik zum Start

So, und jetzt zum Rennen:

Der Startschuss zum Schwimmen fiel um 07:05 Uhr. Anders als bei meinen bisherigen Ironman-Rennen gab es hier in Hawaii keinen sogenannten Rolling-Start, sondern einen klassischen Massenstart aus dem Wasser heraus.

Ich fand mich in einer der vordersten Reihen des etwa 100m breiten und etwa 10 Reihen tiefen Starterfelds wieder.

Und dann ging sie los: die größte Wasserprügelei, die ich je erlebt habe.

Schon nach 200m hatte ich meinen Salzbedarf für den heutigen Tag intus und gefühlt mehr Schläge ein- aber auch ausgeteilt als Klitschko bei einem

Schwergewichtskampf.

Im Getümmel schwimmend und im Feld gefangen verging die Zeit wie im Flug und ich erreichte im Kampf- und Schlägermodus nach 1,9 km den Wendepunkt der Schwimmstrecke.

Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigte, dass ich mit 26 Minuten saugut und schnell unterwegs war. An langsamer schwimmen war also nicht zu denken, zumal von hinten die Schlägermeute zu kommen drohte. Schneller ging jedoch auch nicht, da sich immer noch zu viele Schwimmer auf engstem Raum um mich herum tummelten.

Nach dem Wendepunkt kehrte dann etwas Ruhe ein und das Feld zog sich allmählich auseinander. Zwar konnte man nun einigermaßen ungestört schwimmen, dafür kam mit der südpazifischen Strömung ein neuer Gegner hinzu. Positiver Effekt: Aufgrund des langsameren Tempos blieb nun etwas Zeit, die im kristallklaren

Wasser schwimmenden Fische zu sehen und zu bestaunen.

Nach 58 Minuten und ein paar zerquetschten erreichte ich etwas langsamer als erwartet die berühmte Ausstiegsstreppe mit dem schwarzen Teppich zur Wechselzone.

Nun ging es unter die Dusche und ab aufs Rad, alles war gut und ich lag auf Kurs.

Auf dem Rad merkte ich schnell, dass ich heute morgen nicht meine besten Radbeine mit aus dem Bett genommen hatte. Naja, was nicht ist, kann ja noch werden, dachte ich mir, und so ging ich die Radstrecke zunächst etwas langsamer als gewohnt an.

Aufgrund der vielen Athleten um mich herum gestaltete sich jedoch auch das Radfahren im eigenen Tempo schwierig. Immer wieder stieß ich auf größere Radgruppen, weshalb ich ständig vor der Entscheidung stand, Vollgas zu geben und vor zu fahren oder mich überholen zu lassen und raus zu nehmen, um bloß keine Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens zu kassieren.

Aufgrund meiner Beine entschied ich mich für letzteres und zunächst einmal abzuwarten.

Im Nachhinein keine schlechte Entscheidung, da ich den welligen Streckenkurs im Voraus tatsächlich etwas unterschätzt hatte.

Ein ständiges Auf und Ab mit Steigungen von 1-3% und eine Wärme, die ihres gleichen sucht, ließen meine Kräfte nach und nach schwinden. Die hohen Temperaturen zeigten mir allmählich, warum der IRONMAN Hawaii als härtester Triathlon der Welt gilt.

An jeder Verpflegungsstelle griff ich mir eine Flasche eiskaltes Wasser, die ich ausschließlich zum Kühlen des Körpers nutzte. Dies zeigte großen Effekt, denn nach dem Kühlen hatte ich auf einmal wieder richtig Dampf und gefühlt 20 PS mehr in den Beinen! War mein Motor etwa überhitzt?

(Bestimmt hatte der Fernsehkommentator recht, dass es für hawaiianische Verhältnisse heute eher kühl und windstill war. Aber das ist leicht gesagt, wenn man im klimatisierten Studio sitzt und das Klima nicht am eigenen Leib spürt. Hier sei gesagt, dass es auf Hawaii immer verdammt heiß und auf dem Highway auch immer windig ist)

Mein nach der Verpflegungsstation komplett durchnässter und angenehm kühler Highend-Wettkampfanzug war jedenfalls bereits nach zwei Kilometern wieder komplett trocken und so wiederholte sich dieses Prozedere in regelmäßigen Abständen….kühlen, schnell trocknen, kühlen, schnell trocknen…

Beim Wendepunkt im aus dem Fernsehen bekannten Örtchen Hawi, merkte ich dann meinen unteren Rücken. Er fing an, weh zu tun und mich zu ärgern. Hier machten sich die vielen zwar nicht steilen, aber langgezogenen Anstiege in der für den Rücken anspruchsvollen Aero-Postion bemerkbar.

Um meinem Rücken etwas Erholung zu gönnen, fuhr ich an den Anstiegen nun nur noch Oberlenker und auch auf flachen Teilstücken und Abfahrten entschied ich mich, lieber mehr Watt zu treten, als aerodynamisch durch die Lava zu düsen.

Meine Probleme besserten sich jedoch nur geringfügig und so war ich heute leider nicht der Überholer, sondern der Eingeholte. Kilometer für Kilometer musste ich Konkurrenten ziehen lassen und mich zügeln, mich nicht komplett abzuschießen.

Wie auch beim Schwimmen konnte ich auf dem Rad heute zwar nicht meine absolute Topleistung zeigen, trotzdem konnte sich mein 37,5-er Schnitt den Umständen entsprechend sehen lassen.

Ich konnte zufrieden sein, ich war immer noch gut dabei.

Beim Laufen gingen die ersten 10 km noch ganz gut. Mein Rücken tat zwar weh, besserte sich aber von Kilometer zu Kilometer und meine Beine schienen das Radfahren super verkraftet zu haben.

Doch dann kam mein persönlicher Endgegner namens Palani Road: ein knackiger Anstieg von etwa 200m, der mir innerhalb weniger Sekunden sämtliche Lichter ausknipste. Es schoss mir erneut in den Rücken und ich musste bereits hier eine erste Geh- und Dehnpause einlegen.

Mein mittlerweile jedermann bekanntes kleines Äffchen im Kopf meldete sich mit lautem Getöse zu Wort und machte ordentlich Radau.

Auf dem endlos wirkenden Queen-K’-Highway zum Enery Lab holte sich mein Äffchen dann auch noch Verstärkung vom kleinen Mann mit dem großen Hammer.

Dieser Übermacht hatte ich dann nicht mehr viel entgegenzusetzen. Ich hatte mein Ziel, mir ordentlich einzuschenken, erreicht, leider aber etwa 20 km zu früh. Durchkommen und finishen war nun das Ziel und so kämpfte ich mich mit Geh- und Dehnpausen im eigentlich gemütlichen, aber heute extrem harten 06:00 min/km Tempo in 09:57:33h ins Ziel. Das war er also, der IRONMAN Hawaii, der härteste Triathlon der Welt!

Auch wenn der Wettkampf nicht ganz nach meinen Vorstellungen lief, bin ich super happy, in Hawaii gefinished zu haben.

Hawaii hat seine eigenen Gesetze und jeder, der hier an der Startlinie steht und dann auch noch finished, weiß, was das für eine Leistung ist. Zeit und Platzierung sind hier zweitrangig, auch wenn man es als Athlet vermutlich erst nach einer harten Gerichtsverhandlung mit sich selbst akzeptieren kann.

Bestimmt habe ich bei der Vorbereitung auch noch etwas Luft nach oben: längere Phase der Akklimatisierung oder eine kürzere Vorbereitung mit Qualifikation im Vorjahr wären durchaus eine Überlegung wert.

Aus diesen Erfahrungen werde ich zukünftig nur profitieren können.

Jetzt heißt es jedoch erstmal pausieren, um für die nächste Saison wieder Kraft zu schöpfen.

Was nächstes Jahr auf meinem Wettkampfkalender steht weis ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Ich genieße nun erstmal den restlichen Urlaub und, wer weiß, vielleicht komme ich in ein paar Jahren für eine Revanche mit der Insel wieder.

Auf das Autogramm von Frodo werde ich dann aber vermutlich verzichten. Man munkelt nämlich, dass er mir mit dem Autogramm auch seine Rückenschmerzen und seinen Rennverlauf vom Vorjahr übertragen hat.

An dieser Stelle noch ein paar Dankesworte:

Einen großen Dank an meine Supporter vor Ort und alle, die in der Heimat fleißig mitgefiebert und Daumen gedrückt haben.

Danke an alle privaten Taschengeld -Geber und meine langjährigen Sponsoren, ohne die diese Reise nicht in diesem Umfang möglich gewesen wäre.

Meinem Trainer Ortwin danke ich für die langfristige und nicht immer einfache Vorbereitung mit einem zum Teil launischen und ungeduldigen Athleten.

Ein Dank geht an die Firma Skinfit, vor allem natürlich an Bigboss Nicole, für das Besorgen der entsprechenden Wettkampfbekleidung und des Reiseequipments.

Ein weiteres Dankeschön geht an das TV Riegel – Tri-Team2010 (Schorsch, ich hoffe ich habe es richtig geschrieben), das mir seit dem Beginn meiner Triathlonkarriere zur Seite steht.

Ein Gedanke zu “Chris, you did it!!!

  1. Nochmals herzlichen Glückwunsch Das war eine spitzen Leistung und in schöner Bericht.Erholt euch gut und genießt noch eueren Resturlab

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